SOPA Blackout: Impressionen
Schwarz kann so bunt sein.
(Ein paar Hinweise.)- wordpress.org
Alles in allem war es eine sehr vielfältige Aktion. …[weiterlesen]
Alles in allem war es eine sehr vielfältige Aktion. …[weiterlesen]
Manchmal gibt es Dinge, die versteht man wahrscheinlich nur, wenn man sie von einem Journalisten erklärt bekommt. Öfters gibt es Dinge, die versteht man wahrscheinlich nur, wenn man Journalist ist. Meine Damen und Herren an Gleis 10: die taz aus Berlin nach Norderstedt über Einfallstor, Kiel und deutschen Boden. Bitte Vorsicht bei der Einfahrt.
In ihrer eigentümlichen Art, eigentlich recht informative Artikel auf Bildniveau zu betiteln, überschreibt die Tageszeitung ihren Bericht über ein Treffen der Netzglücksspielbranche im Norden mit “Zockerlizenzen in Schleswig-Holstein – Las Vegas in Norddeutschland“. Das ist wahrlich kein Glanzstück. Aber das:
Weltweit liegt der Umsatz durch Glücksspiele im Web bei rund 24 Milliarden Euro. Schleswig-Holstein verspricht sich durch die Konzessionsvergabe Einnahmen von rund 60 Millionen Euro. Die Branche selbst sieht sich bereits am Ziel: “Der Zug hat den Bahnhof verlassen”, so Anwalt Jörg Hofmann.
Entweder hat Esther Geisslinger vor ihrer Karriere in der Glanzstückindustrie als DB-Zugbegleiterin gearbeitet und als Mitarbeiterin des Monats die Firmenphilosophie für immer verinnerlicht. Oder diese Online-Pokerfaces planen da etwas sehr Beunruhigendes mit dem Bordbistro, was weit über das bisherige Glückspiel (Suppe+Streuselkuchen+Espresso= 15,90€, gratis Magentablette mit Bahncard 50) hinausgeht. Nehmen Sie zur Sicherheit ausreichend Kleingeld mit.
Manchmal gibt es Dinge, die versteht man wahrscheinlich nur, wenn man sie von einem Journalisten erklärt bekommt. Öfters gibt es Dinge, die versteht man wahrscheinlich nur, wenn man Journalist ist. Gewinnerin vom Dienstag: wie langweilig, wieder einmal die taz.
In ihrer eigentümlichen Art, eigentlich recht informative Artikel auf Bildniveau zu betiteln, überschreibt die Tageszeitung
Auch auf diesem Blog gehen am 18. Januar 2012 die Lichter aus. Denn so könnte es bald an vielen Stellen aussehen, wenn sich die Feinde der Freiheit durchsetzen.
Und auch wenn SOPA es nicht wird: Sie werden im andere Namen geben, sie werden es verstecken und verkleiden, beschönigen und bewerben.
Die wahren Feinde der Freiheit sind die Freier der absoluten Sicherheit.
➢ zu allen gebloggten VonFernSehTagen
direkt zu ➢Blond, ledig, testet ➢Die Paketsklaven ➢Da wird mir übel
Da sich bei mir immer wieder größere Mengen an Fernsehsendungen und Videopodcasts ansammeln, weil man das ja alles noch unbedingt gesehen haben will, schiebe ich dann und wann, wenn die Zeit es erlaubt, einen Tag vor der Glotze[1] ein, um dem Stapel etwas von seiner angsteinflößenden Höhe zu nehmen. (In Wirklichkeit wird der natürlich trotzdem immer noch höher, aber die Illusion ist Teil des Rituals.) Heute werde ich das Ganze zum dritten Mal in meinem Blog begleiten.[2]
Um ehrlich zu sein: Diesmal wird nicht wirklich viel von meinem Stapel abgebaut, sondern ich eröffne einen Themenstapel, weil mich interessiert, wer die große Ahnenreihe der öffentlich-rechtlichen Tester, Ratgeber und Aufdecker weiterführt.
Es gibt ja immer noch einige der etablierten Genreklassiker, davon sind welche sehr empfehlenswert, wie zum Beispiel Markt[3], und andere richtig schlecht…
…wie zum Beispiel Markt[4]. Und sehr viele sind solides Mittelmaß, wie zum Beispiel, ja genau[5]. Eines ist ihnen allen gemein: so ganz besonders frisch und unverbraucht sind sie nicht. Und weil Patina zwar den Sammlerwert, aber nicht den Überraschungsfaktor steigert, kommen heute die Jungen bzw. die jungen Formate[6] dran. Ich teste die Tester. Better be prepared.
Film ab!
Wie’s mir vorkommt: Mein erster Gedanke war: Dawn Porter für Arme? Der zweite dann: Warum für Arme? Geben wir der Blondine eine faire Chance, auch wenn sie sie mit ihrer Themenauswahl vielleicht nicht verdient hat:
Wie’s war: Die erste Folge muss hier mehr Raum einnehmen. Ein bisschen weniger Klischee wäre schön gewesen.
Blond beim Ananasschälen.
Mach’ ich jetzt die Schale erst ab oder teile ich die durch.
Blond beim Ananasessen.
Es kann ja auch sein: Die fünf Kilo sind runter, man hat aber so schlechte Laune, weil man seit drei Tagen keine Kohlenhydrate mehr gesehen hat.
Äh, genau. Der Einstieg hat dann doppelt soviele Vorurteile aufgebaut, als ich am Anfang überhaupt aufgestellt hatte. Dass danach die Astrologin zu Besuch kommt, muss man wohl dramaturgisch stringent nennen. Das sich allerdings dann vier erwachsene Frauen von einer Spinnerin, die besser in die Nachtprogrammierung eines fünftklassigen Regionalsenders passt, ernsthaft verängstigen lassen, kann keine Grundversorgung sein.
Ich find’ mich in der ganze Sache total wieder – was ich erschreckend finde. Es war eher wie bei einer Psychologin auf der Couch liegen.
Jetzt – nie vorher und nie nachher im Leben – wäre der einzige Zeitpunkt um zu schreien: Dafür zahl’ ich keine GEZ! Es folgt auch keinerlei Reflektion, so z.B. am nächsten Morgen[8] – was ich erschreckend finde.
Ich dachte, ich bin so wahnsinnig komplex und jetzt macht die mal eben hier sieben Uhr fünfzehn, siebter Mai zweiundachtzig, Herford, zack-bumm, das bist du übrigens. Und ich feile an mir seit fast neunundzwanzig Jahren.
Das ist nicht mehr erschreckend. Das ist entsetzend. Das Gute am Schlimmen: Es bleibt der einzige Aussetzter[9], ab jetzt steigt das Niveau im Erzählten wie im Erzählen.
Ob die Tantramasseurin wirklich bis “direkt in deine Yoni” gewirkt hat (auf dass sie “mal schaue, was sich daraus ergibt”), muss ich nicht wissen und bekomme es – das ist das verlässlich Gute am ÖR – auch nicht erzählt. Beim Strippen präsentieren wir noch “das ewig harte Phallussymbol” Bein, dem wir danach beim “Rio komplett mit Pofalte” noch einmal begegnen, jetzt glatter.
Die zweite Folge über Selbstfindung ist recht informativ und jetzt schon deutlich objektiver. Sagt die schamanische Reiseführerin zum Krafttier:
Ja grüß dich, schön, dass d’ da bist.
Hier noch ein kleiner Tipp, wie Sie eine Atemtrainerin erkennen, sollten Sie es mal wieder verlernt haben: Sie hat blondes Haar, weiße Klamotten und drei Krafttiere. Special Features: kann Regenwaldtee kochen, aber ihre Probleme nicht “auf der Verstandesebene” lösen.
Das Tolle ist, finde ich, dass ich das ja jederzeit alleine machen kann.
Mhm. Ein bis nicht mehr geht, aus bis nicht mehr geht. Und von vorne. Die Welt ist voller kleiner Wunder.
Was Männer wirklich wollen und wie sie dann den Richtigen findet, darum geht es in den nächsten beiden Folgen. Und der Fotograf vom Männermagazin würde natürlich viel lieber künstlerisch hochwertige Bilder machen und die Männer würden die natürlich auch lieber sehen, nur die fragt ja keiner. Solche entlarvenden kleinen Geschichten kommen jetzt immer wieder, die sind humorvoll erzählt und kommen ganz ohne Kommentare aus. Das wäre in den ersten beiden Folgen auch mal schön gewesen. Und in der letzten, der Ökofolge, ebenso. Stattdessen wird lieber noch einmal von irgendeinem rioglatten Berater Blödsinn verzapft. (Einmal noch und für alle Ewigkeit: Vegetarisch essen und “Wassersparen” in Deutschland werden uns nicht vorm Klimawandel retten.)
Die mit Abstand beste Folge ist sowieso die vorletzte. Inga besucht einen Erotikladen für Frauen und erfährt etwas über das Verhalten 75-jähriger Kundinnen. Sie probiert für 14 vermutlich teure Minuten einmal aus, wie es ist einen Mann mit der Stimme zu befriedigen. Und sie bietet in einem Bordell namens “Geizhaus” ihren Körper an. Es gibt dabei nicht den typischen Stuss zu hören, sondern die Sexarbeiterinnen schildern ohne zu beschönigen.
Und jetzt ? Kannst du dir vorstellen, dass andere Frauen dabei bügeln oder kochen oder sonst irgendetwas tun? Siehste. Schön.
Das sitzt. Alleine dieses Stück Fernsehen war es wert, dass man auch die anderen Folgen ansieht. Und ich wünsche mir direkt, die hätten auch etwas von dieser Qualität gehabt. Es bleibt da noch der Unterhaltungswert und das ist ja auch was, denn einen gesunden Humor hat die Probandin allemal. Meine Einschätzung bleibt so unzusammenhängend wie die Folgen. Es war am Ende keine Dawn Porter für Arme, aber auch keine blonde Carla Bernstein. Ein seltsamer Mix aus Qualität und Qual[10] ★★★☆☆
Wie’s mir vorkommt: Ich kann da gar keine Meinung abgeben. Das Stück ist im Vorfeld viel gelobt worden. Ich hoffe, dass es mir etwas Neues erzählt und vielleicht, dass der Undercoverjournalist einen neuen Stil mitbringt. Wallraffimitatoren braucht es keine mehr.
Wie’s war: Reinhard Schädler hat den besten Stil von allen: gar keinen. Unaufgeregt und sachlich nüchtern erzählt der Film seine Geschichte von untragbaren Arbeitsbedingungen, 55-Stunden-Wochen für 1000 € im Monat und von den Amazonkunden, die natürlich tagsüber nicht zuhause sind. Selten habe ich eine so reine Dokumentation gesehen, außer dem Schnitt und ein bisschen Hintergrundmusik wurde da nicht viel gemacht – und genauso ist das in dem Fall richtig. Ein Journalist, der erzählt und einordnet, der zeigen will und nicht resumieren. Schädler gibt sich und seiner Meinung genau zwei Sätze. Es sind die letzten beiden.
Viel besser kann man das Ganze nicht aufbereiten. Nur die versteckte Kamera in der Tasche hätte man sinnvoller einbauen können. Einfach, ehrlich, klar: Ein Film wie deutscher Sprudel ★★★★☆
Wie’s mir vorkommt: Panorama driftet nicht erst seit der AWD-Geschichte Stück für Stück vom Aufdecker- ins Meinungsmacherlager ab. Ich möchte einfach sehen, wie das Thema dort in einem kurzen Beitrag bearbeitet wird und ob der Zuschauer wirklich die Essenz erhält oder nur ein Haudrauffilmchen.
Wie’s war: Warum nur bekommt Anja Reschke nie eine einfache, auf den Einspieler bezogene Anmoderation hin? Auch diesmal wieder müssen erst die bösen Online-Weihnachtsshopper für die Misere der Paketsklaven verantwortlich gemacht werden. Der Beitrag selbst ist eine ordentliche Nacherzählung, aber leider geht es mittlerweile bei Panorama nicht mehr ohne ein bisschen zusätzliche Dramatik, etwa wenn so getan wird, als hätte Schädler jeden Tag über 200 Pakete ausgefahren. (Die Bilder stammen von seiner größten Fuhre.) Oder wenn von den “tausend” Postfahrern bei Subunternehmern berichtet wird ohne zu erwähnen, dass immer noch 90% bei der Post selbst mit Tarifvertrag angestellt sind. Als ob das Thema nicht an sich brisant genug wäre. Versandfertiges Meinungspäckchen, XS ★★☆☆☆
Wie’s mir vorkommt: Theo West und Maite Kelly also, der Postman und Everybody’s Baby, sollen der Lebensmittelindustrie auf den Keks fühlen. Los geht es in den ersten beiden Folgen mit Aromen und Getränken. Nun ist das 1. kein neues Thema mehr und wir wissen alle schon, dass es soviel Erdbeeren nicht gibt, wie in den Joghurt müssten und dass auf den Eiern so Nummer stehen. 2. lässt der Vorspann eine recht infantile Herangehensweise vermuten. 3. werde ich es mir trotzdem vornehmen; ich verspreche aber nicht, dass ich bis zur zehnten Folge durchhalte.
Wie’s war: Grausam war’s. Ich habe nach zwei Folgen genug gesehen. Die Gags sind so prickelnd wie ein Lite Beer nach drei Stunden an der Sonne, die Spielszenen sind so glaubwürdig wie eine Kinderschola, die alle Töne trifft, und die Anrufe bei den Herstellern so lustig und geistreich wie Karl Dall an seinen schlechteren Tagen:
Das ist einfach unglaublich! Man wirbt mit Früchten, aber verarbeitet Aromen.
Ja, wirklich unglaublich. So unglaublich, dass Theo West es auch in der zweiten Folge nicht glauben kann, nachdem er es in der ersten beim Joghurt schon unglaublich fand:
Ich dachte, dass da irgendwelche Arbeiterinnen sitzen, mit Kisten von Erdbeeren, die aufgeschnitten werden und dann schön in den Becher reinkommen.
Das ist das durchgehende Niveau dieser Sendung oder, um es mit dem Fischhändler aus Hamburg zu sagen:
Lies das doch richtig durch, dann weißt du das.
Die beiden Trottel vom Dienst[11] fahren mit ihrem “Übelraschungsmobil” durch Deutschland und nerven seine Bewohner.
Kenn’se den? Treffen zwei trockene Denker auf einen Zollbeamten. Sagt der eine:
Ich war bei einem Kaffeesommelier und der meinte, es gibt wirklich Steuern für so ein Kilo Kaffee.
Der sehr geduldige Zollbeamter erklärt den beiden, wieviel Kaffeesteuer auf das Kilo anfallen, wieviel im Jahr so zusammen kommt und dass die Röstereien auch noch Einfuhrabgaben zahlen. Darauf der andere:
Das heißt also, wenn die da irgendwie zwölf Prozent Beimengungen machen, müssen die zwölf Prozent weniger bezahlen.
Und wer stattdessen Kakao importiert, der zahlt sogar gar keine Kaffeesteuer mehr! Theo West glaubt, das sei, was wir so wissen wollten. Kein Wunder, glaubt er doch auch, das hier sei die beste Grußformel, um jemanden vom Hersteller beim Hersteller zuhause zu sprechen:
Mein Name ist Theo West, das ist meine Kollegin Maite Kelly, von ZDF Neo “Da wird mir übel!”. Wir hätten gerne jemanden gesprochen, der für die Produktion von ***-Kaffee zuständig ist.
Mein Name ist Barrack Obama, das ist meine Kollegin Hillary, von USA “Da bomben wir drauf!”. Wir hätten gerne jemanden gesprochen, der für die Produktion von iranischen Atombomben zuständig ist. Und wenn das nicht hilft, haben wir zwei selbstgebastelte Schildchen dabei, mit denen wir vorm Wächterrat im Kreis laufen können. Wir machen ernst.
Erdbeeraroma macht, dass alles nach Erdbeere schmeckt. Wenn man unangemeldet in fremden Firmen aufkreuzt, kann es passieren, dass die gesuchte Mitarbeiterin in Urlaub ist. Und auf der Packung steht eine Zutatenliste, die man lesen sollte. Ach was.
Auch wenn der Hersteller uns ignoriert, seid euch sicher: Deutschland schaut uns zu.
Bitte bitte tun Sie’s nicht. ☆☆☆☆☆
Es geht halt doch nichts über die etablierten Test- und Auflöärungssendungen im ÖR. Sie mögen etwas Patina angesetzt haben, aber die Substanz stimmt. Die Eigenversuche von ZDF neo sind insgesamt dürftig, aber Reinhard Schädler könnte der kommende Mann im Enthüllungsjournalismus sein. Und Theo West sollte sich endlich eine Liste mit geplanten Autohäusern zulegen.
Theodor Storm, 1852
Weihnachtsabend
Die fremde Stadt durchschritt ich sorgenvoll,
Der Kinder denkend, die ich ließ zu Haus.
Weihnachten war’s; durch alle Gassen scholl
Der Kinderjubel und des Markts Gebraus.
Und wie der Menschenstrom mich fortgespült,
Drang mir ein heiser’ Stimmlein in das Ohr:
„Kauft, lieber Herr!“ Ein magres Händchen hielt
Feilbietend mir ein ärmlich Spielzeug vor.
Ich schrak empor; und beim Laternenschein
Sah ich ein bleiches Kinderangesicht;
Weß Alters und Geschlechts es mochte sein,
Erkannt’ ich im Vorübertreiben nicht.
Nur von dem Treppenstein, darauf es saß,
Noch immer hört’ ich, mühsam, wie es schien:
„Kauft, lieber Herr!“ den Ruf ohn’ Unterlaß;
Doch hat wohl Keiner ihm Gehör verliehn.
Und ich? – War’s Ungeschick, war es die Scham,
Am Weg zu handeln mit dem Bettelkind?
Eh’ meine Hand zu meiner Börse kam,
Verscholl das Stimmlein hinter mir im Wind.
Doch als ich endlich war mit mir allein,
Erfaßte mich die Angst im Herzen so,
Als säß’ mein eigen Kind auf jenem Stein,
Und schrie nach Brod, indessen ich entfloh.