100% kurzschlüssig, liebe Süddeutsche,

findet ihr sonst angetaner Leser VonFernSeher den von Ihnen mit

(dpa/bavo/gba)

unterschriebenen Artikel “Minister Röttgen rüffelt eigene Partei”, in dem es im letzten Absatz heißt:

Der Zuspruch für Röttgen im Bund und in Nordrhein-Westfalen hält sich jedoch derzeit  in Grenzen. Die Frage, ob Röttgen in der CDU eine größere Rolle spielen solle, beantworteten in einer Umfrage für den Stern nur 24 Prozent der Bürger mit “Ja”. Etwa drei Viertel möchten das jedoch nicht: 50 Prozent sagten ausdrücklich, dass Röttgen keinen größeren Einfluss haben solle, 26 Prozent zeigten sich unschlüssig, mochten sich damit aber nicht für den Bundesumweltminister aussprechen.

Machen wir das noch einmal langsam gemeinsam:

  • 24 Prozent möchten, dass Herr Röttgen in Zukunft einen größeren Einfluss in NRW, ausübt, also mehr als jetzt.
  • 50 Prozent möchten keinen größeren Einfluss für ihn, also nicht mehr als jetzt. Ob sie aber jetzt sich wünschen, von nun an solle er weniger Einfluss in NRW haben, wissen wir nicht, denn das war nicht die Frage, gell?
  • 26 Prozent (ein relativ große Zahl) wollen oder können sich dazu nicht einlassen. Sie mochten sich weder für mehr, gleich viel oder weniger aussprechen. Dass sie sich deswegen nicht für den Bundesumweltminister (der er übrigens ja nicht mehr sein will, kehrte er nach NRW zurück) aussprechen möchten, bleibt eine Unterstellung.

Ich zähle dann mal zusammen: Ein knappes Viertel möchte mehr Einfluss von Röttgen in NRW. Von mehr als drei Vierteln der Befragten aber wissen wir indes nicht so genau, was sie jetzt möchten. Wissen Sie mehr? Wenn ja, warum steht es nicht im Artikel? So auf jeden Fall lässt sich keine mangelnde Unterstützung für Röttgen konstruieren.

Aber es geht noch besser schlimmer:

In NRW würden nur 28 Prozent der Bürger gut finden, wenn Röttgen in der Partei weiter Karriere machte. 72 Prozent der Nordrhein-Westfalen wäre dies laut der Befragung nicht recht: 49 Prozent sind ausdrücklich dagegen, 23 Prozent unschlüssig.

Mal abgesehen, dass das für Nicht-CDU-Anhänger schnell zur Suggestivfrage mutiert (denn wenn die CDU in NRW und im Bund nicht regiert, machen die entsprechenden Politiker auch nicht so groß Karriere), legen sie 23 Prozent der Befragten einfach etwas in den Mund. Wer noch nicht genau weiß (oder es nicht sagen will), ob er sich noch Höheres für den Mann wünscht – immerhin ist er schon Bundesminister und es soll Leute gegeben haben, die Landespartei und -regierung für solch einen Job auch schon mal aufgegeben haben – wünscht ihm doch noch lange kein Karriereende. Was ist denn die typische weitere Karriere nach Bundesminister? Ministerpräsident und Landesvorsitzender? Oder doch eher Kanzler und Bundesvorsitzender? War nicht für viele als Bundesminister auch das Ende der Karriereleiter erreicht? Und wer sagt denn, dass es nicht auch ein paar von den 23 Prozent einfach egal war, ob der Mann parteiintern noch Karriere macht?

Das wären doch mal gute Fragen, mir fiel aber beim Lesen noch eine andere ein, die Sie mit Sicherheit besser beantworten können, ganz ohne Agenturmaterial: Ist das jetzt nur ein Gefühl bei mir oder liest bei ihnen wirklich niemand solche Versatzstückcontainer noch mal gegen, bevor sie auf den Leser treffen? Oder war bei Ihnen die Mehrheit gegen Gegenlesen (also so etwa 26% dagegen und 49% unschlüssig, ob sie jetzt gerade Gegenlesen wollen)?

Wäre ausdrücklich für eine schlüssige Antwort:

Ihr VonFernSeher

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