Briefähnliche Schriften

Nichtleserbriefe 9/2011

an…
…Markus Ferber (CSU)
…Jan Fleischhauer
…die Süddeutsche
…Shary Reeves und Ralph Caspers
…Sibylle Berg
…die Schweizer
…die taz
…den Bundesinnenminister
…Ulla Jelpke (Die Linke)


Gegrüßet seien Sie, Markus Ferber (CSU), voll der Gnade,

haben Sie doch in Ihrer Bibel (bayerische Unions…äh…Einheitsübersetzung) nachgeschlagen und festgestellt:

Als Christen wissen wir, wie eng Hosianna und ‘Kreuzigt ihn’ beieinanderliegen, aber das muss ja nicht von der eigenen Unions-Schwester kommen.

Und da waren es doch schon drei Tage am Freitag und ihr Heiland war noch immer nicht zurück. Ich habe auch noch mal nachgeschlagen und zwei Sachen festgestellt:

  1. Darüber, dass von Nazareth sein Gesellenstück aus Teilen von anderer Leute Möbel kaschiert hätte, findet sich nichts – was nicht weiter verwundert, schließlich wurde er ja auch als Gottessohn und nicht als Tischler gekreuzigt.
  2. Der Esel hat nach dem Einzug in Jerusalem kein Interview gegeben.

If life seems jolly rotten
There’s something you’ve forgotten
And that’s to laugh and smile and dance and sing

Cheer up!

VonFernSeher


Hoppla, Herr Fleischhauer,

da haben Sie es den grünen und roten Socken aber mal richtig gegeben! Kennen ihre eigene Ideologie nicht mehr und schmeißen den adeligen Freiherrn von und zu einfach zu den Bürgerlichen. Und außerdem:

Der Opposition geht es nicht um die Wissenschaftsstandards in Deutschland, sondern um den Fall eines Ministers, der so populär ist, wie alle Führer der Gegenseite zusammen nie sein werden. Das ist legitim, hat aber nichts mit Moral zu tun. Außerdem ist es durchaus auch ein konservativer Wert, einem bedrängten Kameraden in schwerer Stunde beizustehen. Loyalität gehört nicht zu den hervorstechendsten Tugenden der Linken, wo sich jeder selber der nächste ist,…

Größer als alle anderen Führer, ihr linken, unmoralischen Kameradenschweine! Praktisch der größte Führer aller…ach nee.

Will gar keine Karte Ihrer Ideologielandschaft:

VonFernSeher


Angst vor dem Bürgerkrieg in Libyen, Süddeutsche,

so twittern ihre Redakteure also und schreiben nämlich von “bürgerkriegsähnlichen Kämpfen”.

Vor allem entlang der Küstenlinie versuchen die Truppen Gaddafis, an die Rebellen verlorene Städte zurückzuerobern. Dabei kamen Panzer, Artillerie, Kampfflugzeuge und Hubschrauber zum Einsatz. Unter den angegriffenen Städten waren Bin Dschawwad, Tobruk, Ras Lanuf und Misurata. In Al-Sawija, 50 Kilometer westlich von Tripolis, wechselte die Front binnen Stunden mehrmals hin und her.

Das klingt tatsächlich sehr, sehr ähnlich. Aber waren es denn nicht vielleicht nur panzerähnliche Fahrzeuge, artillerieähnliche Geschütze und kampfflugzeugähnliche Objekte? Nicht?

Dann will nicht länger beim journalismusähnlichen Schreiben stören:

VonFernSeher


Shary und Ralph, ihr alten Klugscheißer!

Im Einspieler über Medaillen heftet eure fleißige Truppe dem Bundeswehrsoldaten die alte NVA-Medaille für vorbildlichen Grenzschutz an,

für den tapfersten Soldaten, zum Anstecken an die Uniform.

Da habe ich mir spontan vorgestellt, wie die Eltern jetzt den Kindern auf dem Sofa beibringen, was man bei denen damals für vorbildlichen Grenzschutz hielt.

Erklärungsnot macht Mpff!

Ihr VonFernSeher


Sie, Frau Sibylle Berg,

rufen Ihren Lesern lustig zu, sie sollten doch entscheiden, was sie wollen:

Sie sagen: Manchmal denke ich, ich hätte alles falsch gemacht. Ich sage: Machen Sie sich keine Sorgen. Falsche Entscheidungen sind eine Erfindung der Filmindustrie. Abgesehen davon wird es Ihnen nie gelingen, eine richtige Entscheidung zu treffen, denn die gibt es nicht.

Ihre Frage, die, wie der Studienrat in mir beharrt, keine ist, geht von der Annahme aus, dass es ein Richtig und Falsch gibt. Seit der Einfluss der Religionen schwindet, bleibt uns nur die staatliche Gesetzgebung als verlässlicher Ratgeber.

Sehen Sie, und da muss ich zweifeln: Den gefühlten Studienrat innen zu lassen, klingt doch so verdammt nach der richtigen Entscheidung für Sie. Packen Sie doch lieber den PR-Berater in Ihnen aus und fragen mal nach bei Gaddafi, Guttenberg und noch jemand mit G. Da gehen Sie mit Ihren Thesen bestimmt extrem steil! Ratgeberkolumnen schreiben scheint mir indes als eine Erfindung der Filmindustrie.

Mit besten Grüßen vom gefühlten Berufsberater in mir

VonFernSeher


Knapp war’s, Eidgenossen,

als der Nationalrat bei euch den verpflichtenden Medienführerschein für Jugendliche ablehnte – 88/66/6. Viel abenteuerlicher als die 41% Zustimmung kommt aber noch die Begründung der Ablehner daher: Medienkompetenz sei ja schließlich nicht die Aufgabe der Schulen, auch die Familie stünde in der Verantwortung. Richtig so, nachher geht die Zeit noch vom Geräteturnen oder anderen Grundlagenfächern ab. Man lernt ja schließlich für’s Leben.

Hat mal gehört:

Ihr VonFernSeher


Mir immer noch liebe taz,

mit “Von Wikileaks zu Wikilügs?”[1]betitelt ihr die Ungeheuerlichkeit, der Chefredakteur der britischen Satirezeitschrift Private Eye habe gegen Julian Assange den “schwerwiegenden Vorwurf” antisemitischer Äußerungen erhoben. Und da fragt ihr euch natürlich, was da dran ist. Bei soviel investigativem Gespür kommen mir kleinem Nimmersatt natürlich sofort noch weitere schwerwiegende Fragen in den Sinn, für eventuelle Nachrichtenflauten:

  • Weiß die Bundeskanzlerin mittlerweile, was eine Salatgurke ist?[2]
  • Hätte Bin Laden Schäuble stoppen können, wenn er nur gewollt hätte?
  • Und haben Christen wirklich den Längsten?

Wüsste fast genauso gerne:

Ihr VonFernSeher


Hans-Peter Friedrich!

Sie steigen ja extra behutsam in Ihr neues Amt ein, da kann man nichts sagen. Nachdem Sie sich freundlich bei den Muslimen im Land vorgestellt haben, beweisen Sie nun allen Bürgern ihre ganz besondere Voksnähe:

Es gehe um die “Nachvollziehbarkeit, wer hat mit wem telefoniert, auch nach Wochen”, sagte er. Die Polizei müsse wissen, ob ein Verdächtiger aus einer bestimmten Funkzelle heraus telefoniert habe.

golem, 03.02.2011

Praxisfrage: Warum statten Sie nicht jeden zehnten Arbeitslosen einfach mit der nötigen Technik aus, sagen wir, gegen eine kleine Regelsatzerhöhung? Hartz-IV-Empfänger quasi, versteh’nse? Wo doch die Polizei immer so überlastet ist.

Na denne, Druschba!

Ihre Staatsicherheitsfachkraft VonFernSeher


Als innenpolitische Sprecherin, Frau Jelpke (Die Linke),

hat man (s.o.) ja gerade so überhaupt nichts richtig zu tun, da kann man auch mal Grundsätzliches auf- und angreifen. So wie diese unsäglichen Einsätze der Bundeswehr im Inneren zur Amts- und Katastrophenhilfe, eine

politische Strategie, die auf den Gewöhnungseffekt setzt.

So hat zum Beispiel, weiß die taz, die Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege zehn Esel und fünfzehn Soldaten für eine Gebirgsquerung geliehen. So perfide werden also unsere Almbewohner an den Einsatz der Bundeswehr im Inneren gewöhnt. Dagegen muss aktiv vorgegangen werden! Überlege, der Akademie fürs nächste Mal die Telefonnummer ihrer Fraktion zu geben. Wäre doch gelacht, wenn sich dort nicht die zehn und fünfzehn fänden, oder?

Hilft aber nicht beim Suchen:

Ihr VonFernSeher


  1. [1]Schön auch der Kommentar von ion: “‘Von Wikileaks zu Wikilügs?’ – Von taz zu BILD?”
  2. [2]Bevor jemand fragt: Gaby wusste es immer schon.

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