Die Würde des Menschen ist unbezahlbar

Nee, kein Pathos jetzt, ich meine das ganz genau so: Für die Würde der pflegenden Familienangehörigen von Demenzkranken ist kein Budget da. Zehn Minuten Privatsphäre ohne Pflegefall stehen nämlich nicht im Katalog, drei Minuten Zähneputzen aber schon. Wer den Monitorbeitrag vom 09.09. mit offenen Augen guckt, den springt sie an: die häßliche Fratze des deutschen Pflegesystems. Und da man in Deutschland schon immer Tabellen mehr Sympathie entgegenbrachte als Menschen, entwickelt sich bei mir während der sieben Minuten Beitrag ein Ekel, wie wir mit denen umgehen, die bereit sind, Leistung und Verantwortlichkeit zu bringen. Nebenbei hätte man in der gleichen Zeit auch die Morgenhygiene einer oder eines Demenzkranken durchführen können – sollen.

Mein Kommentar zum Thema “Keine Pflege für Demenzkranke – Angehörige werden allein gelassen” im Monitor-Forum:

Wer denkt bei den Leistungen eigentlich an die Familienangehörigen? Es geht mir nicht darum, dass sie ihre Angehörigen pflegen müssen und körperlich wie psychisch anstrengende Arbeit verrichten. Ich gehe fest davon aus, dass dies die meisten mit Hingabe tun.

Ich denke mehr an das Leben, dass diesen Menschen geraubt wird, das Leben, dass sie führen könnten, wenn sie nur ein bisschen unterstützt würden. Ich würde z.B. – man bewahre es – jederzeit meine Mutter pflegen, aber mich schüttelt es, wenn ich die Entmündigung des Sohnes im Beitrag sehe. Er kann nicht mehr arbeiten, er kann seinen Tagesablauf nicht mehr wählen, er hat keinerlei Privatsphäre. Das deutsche Pflegesystem hat diesem Mann das Leben eines Greises aufgedrückt, er muss so leben wie seine Mutter.

Er ist entmündigt, entrechtet und entwürdigt. Das ist der Dank der Gesellschaft dafür, dass er sich für einen anderen Menschen aufopfert. Mir wird schlecht.

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