Früher war heute noch Zukunft

[Plagiatshinweis: Diesen Satz haben Sie natürlich/vielleicht/eventuell schon einmal gehört.]
[Stilhinweis: Es erwartet Sie jetzt ein ganz und gar nicht schön geschriebenes und auch nicht briefförmiges Etwas, dass Sie sich trotzdem bitte durchlesen mögen.]

Vor einiger Zeit habe ich mir ein kleines Projekt vorgenommen und gleichzeitig, es ein bisschen abhängen zu lassen. Jetzt, da mir die Idee wieder nahe kommt und sie etwas gereift ist[1], möchte ich mir ihrer annehmen.

Zurückzuführen ist das Ganze auf eine Stunde aus der Vorlesung “Film- und Fernsehanalyse”, die ich einst (größtenteil wirklich) genießen durfte. Dort wurden auf der einen Seite Tagesschau und heute, auf der anderen RTL aktuell auseinandergenommen und dann in analytischen Häppchen verglichen. Eine klare Sache damals und wenig überraschend: RTL – ÖR 0:1. Mich deucht, das Ganze könnte in letzter Zeit etwas anders ausgehen, wohl nicht besser für RTL, aber vielleicht trauriger: Klöppel – Kleber 0:0.

Das allerdings kann nur ein erster subjektiver Eindruck sein (ich schaue seit vielen Jahren beinahe jedes heute-journal). Um herauszufinden, ob ich nun mit der langsamen fortschreitenden fortgeschrittenen Boulevardisierung der öffentlich-rechtlichen Nachrichten richtig liege oder doch besser auf die Gniffkes und Freys gehört hätte, möchte ich das Ganze auf eine exakte, aber doch nicht rein wissenschaftliche Weise aufbereiten. Nach den Methoden der Film- und Fernsehanalyse werde ich jeweils 30 Ausgaben von heute und heute-journal und RTL aktuell aus dem August und September 2010 auseinandernehmen und Unterschiede und Gemeinsamkeiten[2] herausarbeiten. Das klingt erst einmal herrlich trivial (Themenauswahl, Anordnung der Nachrichtenblöcke, Ansprache, Bildersprache,…). Aber ich möchte auch auf Feinheiten eingehen, die nicht offensichtlich sind und den Zuschauer daher mitunter unbewusst beeinflussen (Themenauslassung, Anordnung innerhalb der Nachrichtenblöcke, innere und äußere Sprache, Skizzierung des Adressaten, Farbwahl, Tonmischung von Hintergrund, Atmosphäre und Off-Text,…).

Ich möchte nichtin Konkurrenz mit den kommunikationswissenschaftlichen Instituten in Deutschland treten, die sich dazu wahrscheinlich alle schon eine Meinung gebildet haben, sondern ein Projekt starten, indem alle Leser durch Nachfragen und Meinungen beitragen können. Und damit möchte ich – sofern sich noch genügend Leute für Fernsehnachrichten interessieren – keine Rezeption (Empfang der Nachricht) messen, sondern die Perzeption (umfänglicher Prozess der Wahrnehmung) diskutieren und darstellen. Ob es populär wird, hängt von Ihnen, den Lesern, ab; ob es wissenschaftlich wird, weiß ich noch nicht. Ich werde es so oder so durchziehen, weil es meiner eigenen Reflektion dient.


Die Filmanalyse (darunter fällt dann auch die Fernsehanalyse) lässt sich grundlegend erstmal zweiteilen: in die Analyse, die Wirkungen empirisch messen will und daraus Rückschlüsse auf die Methoden zieht, und jene, die nach einer Transkription (oft: Sequenzanalyse) das Material einer Fragestellung folgend bearbeitet. Letzteres werde ich hier versuchen (Ziel: je eine Folge (also drei Sendungen) pro Woche), die Bearbeitung der Fragestellung soll allerdings schon mit zur Diskussion gehören. In einem Zwischenschritt möchte ich den Nachrichtenwert der Sequenzen ermitteln. Die richtigen Werkzeuge dazu sollen auch in der Diskussion erwählt und verfeinert werden. Sie sehen: Je mehr mitwirken, desto informativer kann es werden.

Im ersten vorbereitenden Schritt bitte ich alle Leser, mir Beurteilungskriterien zu nennen, die sie persönlich interessieren. Das können Unterschiede oder Gemeinsamkeiten sein, die Ihnen besonders positiv oder negativ aufgefallen sind, Fragen, die Sie sich zum Ablauf und Inhalt der Nachrichtensendungen schon gestellt haben oder auch ganz andere Hinweise. Fragen Sie, beurteilen Sie, weisen Sie hin – entweder direkt in den Kommentaren oder per E-Mail. Ich freue mich auf viele gute Ideen.

[Ich weiss, dass dieser Blog keine chartverdächtigen Abrufzahlen hat. Aber ich hoffe einfach darauf, dass sich mit dieser Analysekategorie etwas abseits des normalen Blogs entwickelt. Der nämlich soll so bleiben, wie er ist.]
  1. [1]außen trockener, innen fettiger, oder so
  2. [2]sowohl zwischen den Reihen als auch chronologisch

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