Glanzstücke des Journalismus {03}

oder: Lasst wirre Zahlen um mich sein…

Manchmal gibt es Dinge, die versteht man wahrscheinlich nur, wenn man sie von einem Journalisten erklärt bekommt. Öfters gibt es Dinge, die versteht man wahrscheinlich nur, wenn man Journalist ist. Gewinnerin heute: die Süddeutsche.

aus “Welttag des Mannes 2010 – Lasst dicke Männer um mich sein …”, sueddeutsche.de vom 02.11.2010:

Vor allem verheiratete Männer neigten zu den ungesunden Pfunden. Dabei ist der deutsche Durchschnitts-Ehemann übrigens 55,6 Jahre alt – und somit deutlich älter als Partner in einer Lebensgemeinschaft (40,6 Jahre) oder alleinstehende Männer (46,2 Jahre).

Ledige deutsche Männer, der Großteil von ihnen zwischen 15 und 39 Jahren alt, waren zwar nur zu 43 Prozent übergewichtig und damit statistisch gesehen schlanker. 10,6 Millionen von ihnen lebten allerdings häufig noch auf Kosten von “Hotel Mama”.

Und nachts ist kälter als draußen? Katzen, die drinnen schlafen, sind seltener grau? Was will uns der Künstler damit sagen? Dass, wer alt werden will, seine Frau besser heiratet oder ansonsten die Finger davon lässt? Dass man bei Mutti doch immer noch das Beste isst? Dass der Anteil der Ehemänner unter den Fünfzehnjährigen im Vergleich niedrig liegt? Wer weiß es.

Ich hätte ja auch mal gerne beim Verbrecher Verfasser nachgefragt, der ist aber, wie bei der SZ bei den extra guten Artikeln üblich, kryptisch (s. Nachtrag 2)[1]:

sueddeutsche.de/jado

Ich habe sueddeutsche.de, Wikipedia und verschiedenste Suchmaschinen bemüht (auch ich habe mich bemüht). Bisher schwanke ich zwischen Herrenwäschehändler, Hersteller von Armaturen und noch was mit H (Hochkrawal?).[2]

Falls der, die oder das Jado noch einmal einen Artikel im Umfeld von Zahlen verfassen sollte, kann er/sie/es ihn ja dann direkt der dünnen Zeitung mit den dicken, ledigen Übergewichten anbieten. Den passenden Titel (gemein, alliteriert und mit Reim) schenke ich ihm/ihr:

Statistik-Sensation!
Jodfidele Journalisten im Schnitt schäler als pubertierende Pennäler

Nachtrag 03.11.2010 00:05 Uhr:

Der Jado-Ritter hat mir keine Ruhe gelassen. klickTel und pointoo brachten mich auf eine Werbeagentur gleichen Namens aus Dortmund (was nichts heißen muss/soll). Ich habe mir dann überlegt, welche Werbung wohl im Umfeld eines solchen Artikels auftaucht, und mich entschieden, dafür meinen Adblocker nicht auszuschalten.

Wenn jemand ein Verzeichnis der Autorenkürzel bei der SZ kennt, würde ich mich sehr über einen Kommentar oder sonstige Nachricht freuen. Mich interessiert es ehrlich, auch wenn ich hier ein bisschen darüber herumblödele.

Nachtrag 04.11.2010 09:10 Uhr:

Die Autorin heißt höchstwahrscheinlich Janine Adomeit und schreibt häufig zu Themen der Lebensart/Mode bei der Sueddeutschen. Danke an alpe! Stellt sich noch die Frage, warum der Autorenname nicht über allen “jado”-Artikeln steht..

Das semantische Suchen muss endlich kommen, wenigstens für mich. Denn Suchmaschinen scheinen mich nicht mehr zu verstehen. Weil Suchmaschinen mir selbst bei der erweiterten Suche nichts Relevantes ausspucken (ich habe noch einmal “nachgesucht”); bei Google zum Beispiel kommt bei keiner der von mir verwendeten Kombinationen (darunter auch “sueddeutsche jado” und “sueddeutsche.de/jado”) “Janine” oder “Adomeit” unter den ersten zweihundert Suchergebnissen vor.

Als ich aber umgekehrt (ich kannte die Autorin nicht) nach “Janine Adomeit” suchte, konnte ich durch die ersten drei Ergebnisse bei Google, Bing und Yahoo erfahren, dass es sich um eine Verfasserin von Artikeln zum Bereich Lebensart handelt.

Schade finde ich, dass sueddeutsche.de keine (oder keine relevanten) Ergebnisse ausspuckt, wenn man nach den Autorenkürzeln sucht.

Nachtrag 11.03.2010:

Da es doch anscheinend immer noch viele gibt, die der Illusion erliegen, Google & Co zeigten einfach nur absteigend die Treffer mit der besten Deckung zum Suchbegriff, sei auf diesen Artikel hingewiesen. (via @DFranzenburg)


  1. [1]Ja, ich weiß, dass es “jado” öfters auf sueddeutsche.de gibt, auch mal gerne in Kombination mit “pfau”. Wer weiß, wer sich dahinter verbirgt, erleuchte mich bitte. Mir geht es auch darum, was die Leser mit einem solchen Hinweis am Ende anfangen sollen. Bei anderen Zeitungen werden Autorenkürzel wenigstens verlinkt.
  2. [2]Außerdem findet man noch einen ecuatorianischen Bankier und Google schlägt auch schon mal automatisch “ja do legst di nieder” vor.

Kommentare zu "Glanzstücke des Journalismus {03}"

  1. Dringende Vermutung nach zwei Minuten google-Recherche: Janine Adomeit

    War doch gar nicht so schwer?

  2. Zwei Minuten? Ich bin platt. Was war bitte die Suchkombination? Ich habe – ungelogen – vier verschiedene Suchmaschinen bemüht und sogar in Datenbanken für Autorenkürzel (die allerdings auf freiwilliger Basis beruhen) gesucht.

    Aber Danke für den Hinweis.

  3. Strg+T für neues Tab, Klick auf Lesezeichen “google”, Suchkombination ’sueddeutsche jado’ (ohne Anführungszeichen), Klick auf ersten Treffer – ein Artikel über Karl Lagerfeld – , Sehen des Namens “Janine Adomeit” über dem Artikel und des Kürzles “jado” unter dem Artikel, Klick auf Back button, Anstellen zusätzlicher kurzer Plausibilitätsprüfungen anhand weiterer Treffer zur aktuellen Suchanfrage und anhand neuer Suchanfrage ’sueddeutsche Janine Adomeit’, Antowort hier nach kurzer Zeit und hinreichender Überzeugung.

    Soweit der Ablauf. Wahrscheinlich hatte ich nur Glück mit der Suchanfrage.

    Bin froh, dass ich ein wenig zu Deinem Seelenfrieden beitragen konnte. :-)

  4. Google-Ergebnisse scheinen doch zu personalisiert. Dass einzige, was bei mir bei der Suchanfrage ’sueddeutsche jado’ (ebenso ohne Anführungszeichen) entfernt mit Journalismus zu tun hatte, waren die Pressemitteilungen über neue Designerarmaturen. Kein Scherz. Umgekehrt aber (also ’sueddeutsche Janine Adomeit’) war bei mir auch der Lagerfeld-Artikel erster Treffer.

    Aber ich nehme das sportlich. Ich habe ein paar neue Suchmaschinen und Datenbanken kennengelernt (z.B. weiß ich jetzt, dass das englische Bing anders/besser funktioniert als das deutsche und dass man bei 90% der Suchmaschinen mit Steuerzeichen gar nichts mehr erreicht).

  5. So übrigens die MetaGer-Wertung zu ’sueddeutsche jado’:
    1.**** fh-friedberg.de (JADO Design AG + Süddeutsche Bodencredit AG)
    2. **** lib.berkeley.edu (JADO Design AG)
    3. ** sueddeutsche.de (Leben & Stil)
    4. * suedeutsche.de (VIP-Klick)
    5. * sanbli.de (JADO Übersetzungen GmbH)

    @alpe
    Klick -> Suchmaschinen verwalten
    Klick -> MetaGer
    18xKlick -> Nach oben
    :-)

  6. > Google-Ergebnisse scheinen doch zu personalisiert.

    Hmm. Stellt sich für mich nur noch die Frage, wie google das rausbekommen hat, dass ich bei meinen Suchanfragen junge, gutaussehende, lifestyleorientierte Süddeutsche-Redakteurinnen weit oben in der Trefferliste bevorzuge – und nicht z.B., sagen wir, Designerarmaturen.
    Schon ganz schön clever, dieses google.

  7. Personalisiert natürlich nicht darauf, was du bevorzugst, sondern darauf, was das Ich oder derjenige, für den Google mich hält, bisher gesucht hat (weder lifestyleorientierte Redakteurinnen noch Designerarmaturen). Ich habe einen ganz anderen IP-Raum als in Deutschland, vielleicht ist es das. Ich weiß es nicht.

    Bei mir gibt es auf jeden Fall bei google.de keine Trefferrelation zwischen ’sueddeutsche jado’ und Janine Adomeit. Dass Google meinen Seelenfrieden beeinträchtigt, soweit ist es glücklicherweise noch nicht, aber seltsam finde ich es schon.

  8. War ja auch mit einem Augenzwinkern gemeint. Gut, jetzt kannst Du natürlich sagen, dass ich das ja auch mit einem entsprechenden Smiley hätte deutlich machen können. Und Recht hättest Du. :-)

    Ich finde allerdings schon rein technisch Deinen Befund – den ich nicht anzweifele – für bemerkenswert. Die google-Suchergebnisse sind ja vorberechnet und werden nicht in Echtzeit generiert. Wenn man sich jetzt vorstellt, wie viele unterschiedliche IPs und Suchhistorien es gibt, die dann ständig mit eigens zugeschnittenen Suchergebnissen ausgestattet werden müssen – wow. Bei google glühen die Server! :-)

  9. Die Ergebnislisten zu einzelnen Begriffen liegen in der Bibliothek. Aber wie Google die jetzt im einzelnen Fall (mit mehreren Wörtern) zusammenbringt und danach gewichtet, hängt klar auch von der Suchgeschichte der Zielgruppe ab. Und wenn ein Suchergebnis an 21507. Stelle steht ist es ja genauso, als wäre es nicht gefunden worden.

    Und besonders ressourcenschonend ist die Google-Suche wirklich nicht. Aber die können sich ausreichend Farmen leisten (in Costa Rica ist das ein eigener Wirtschaftszweig).

  10. > Aber die können sich ausreichend Farmen leisten (in Costa Rica ist das ein eigener Wirtschaftszweig).
    Kein Wunder, dass google so viel Mühe in das Personalisieren von Suchergebnissen und anderen Services steckt. Sollte es denen nämlich irgendwann gelingen, ihre geballte Rechenpower tatsächlich dazu zu bewegen, wirklich gute und sinnvolle personalisierte Suchergebnisse zu generieren, wäre das ein signifikanter und nur unter großem (technischen und wissensbezogenem) Aufwand aufzuholender Konkurrenzvorteil.

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