Glanzstücke des Journalismus {05}

Manchmal gibt es Dinge, die versteht man wahrscheinlich nur, wenn man sie von einem Journalisten erklärt bekommt. Öfters gibt es Dinge, die versteht man wahrscheinlich nur, wenn man Journalist ist. Gewinnerin gestern abend : Petra Gerster, ZDF heute-journal.

Die Geschichte des Webs ist eine Geschichte voller Missverständnisse. So scheinen zum Beispiel manche Journalisten das Web für so eine Art Internetkommunikationsprogramm zu halten[1], das es – wie bei Programmen ja üblich – in verschiedenen Versionen mit neuen Funktionen und neuen Fehlern gibt. Frau Gerster meint bei der 2.0-Version einen solchen neuen Fehler gefunden zu haben[2]:

Mobbing im Internet – fast jeder fünfte Jugendliche hat das schon mal erlebt. Vor allem in den sozialen Netzwerken wie etwas Facebook ist das schon länger ein Problem. Doch es geht noch schlimmer: Mittlerweile gibt es Seiten im Internet, auf denen man völlig anonym über Freunde, Mitschüler oder Lehrer herziehen kann; und immer mehr Jugendliche werden dort zur Zielscheibe.

Seiten, auf denen man völlig anonym über andere herziehen kann – ja, das ist wahrlich eine tagesaktuelle, schockierende Nachricht. Das gab es ja in der Einserversion oder beim Vorgängerprogramm noch gar nicht. Aber bald kommt bestimmt ein Bugfix dazu raus. Fehlt gerade noch, dass man dann demnächst auch noch peinliche Bilder, Audios und Videos ins Netz stellen und womöglich noch kommentieren kann. Gar nicht auszudenken, wenn es jetzt noch Leute gäbe, die regelmäßig Texte und andere Inhalte ohne Kontrolle ins Web stellen und dann andere untendrunter anonym kommentieren lassen! Nachher behauptet noch einer von denen:

It’s a feature, not a bug.[3]

Epilog:

Was uns die Redaktion wohl eigentlich sagen wollte, steht hier. Ein neues Phänomen wird es damit auch nicht – aber wenigstens eine Nachricht.


  1. [1]oder sie möchten es ihrem Publikum vorgaukeln
  2. [2]hier das Video der ganzen Sendung, Zitat ab ca. 10:06 min
  3. [3]Ich hab es hier gesehen, die haben es erfunden.

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