Himmel und Ähem

Michalis Pantelouris hat zu der – so finde ich als Außenstehender – schwer abenteuerlichen Diskussion um den Freischreiber-PreisHimmel & Hölleeinen lesenswerten Beitrag verfasst. Fast noch lesenswerter ist allerdings der darauffolgende Kommentar von Wolfgang Michal, zeigt er doch auf eine bestechend ehrliche Weise die Logik, welche die “Aktiven”[1] regelmäßig aufbieten, um ihre Arbeit aus der Kritik zu heben. Ehrenamtliche schaffen einen unglaublichen gesellschaftlichen Mehrwert in Deutschland und auch ich habe immer gerne zu “dem Heer” gehört und Hier! geschrien. Der Mehrwert gibt dem Heer aber nicht das Recht, sich über die Kritik zu stellen.

Mein Kommentar zu Wolfgang Michal:

Ihre Argumentationsweise erstaunt mich ehrlich, denn sie mag zu einem Journalisten so überhaupt nicht passen.

Zuallererst ist das, was Sie schreiben, doch keineswegs verbandsintern. Da der Preis ja wohl kaum unter Ausschluss der Öffentlichkeit vergeben und dann per Einschreiben in diskreter Verpackung an den Preisträger versandt wird (denn dann wäre er endgültig sinnlos), sind die Kriterien zur Preisvergabe absolut keine Verbandsinterna, und der Umgang mit ihnen auch nicht. Der Preis spielt in den Medien eine Rolle und so sollte es auch die Kritik an ihm.

Wollen die Freischreiber also nicht vollständig aus der journalistischen Rolle fallen, müssten Sie stichfeste Beweise für ihre Anschuldigungen zeigen und nicht, wie Sie es hier implizit tun, die Beweispflicht auf die Beschuldigten abwälzen.

Es werden hier eben nicht drei verschiedene Schweinereien grundsätzlich zur Wahl gestellt, denn auch das wäre ziemlich sinnlos. Das ultimative Ranking zwischen Pest, Cholera und Pocken schauen sich nämlich nur ganz hartgesottene Discovery-Fans an. Es geht um starke Anschuldigungen gegen Arbeitgebervertreter Ihrer aller Branche – mit dürftiger oder dürftig vorgetragener Beweislage (wie sollte man das beurteilen?).

Insofern ist der Preis nicht für die Existenz der Bundesrepublik, der Verlagswelt, ja noch nicht mal der drei Angeklagten, entscheidend. Er ist für das Ansehen Ihres Verbandes entscheidend und damit vielleicht schließlich eventuell teilweise ein bisschen für dessen Existenz. Wer also sechs bekannte Arbeitgeber als himmlisch oder höllisch hinstellt, der darf hoffen und fürchten, dass seine Darstellungen öffentlich hinterfragt werden. Gerade freischaffende Journalisten sollten vor einer solchen Kontrolle doch keine Angst haben, sondern sie begrüßen – gerade dann, wenn sie auch noch von Verbandskollegen kommt.

Ich kann im Artikel nirgendswo erkennen, dass die Arbeit der Aktiven keine Wertschätzung erführe. Aber auch ehrenamtliche Arbeit hat sich der Kontrolle zu stellen, egal, wieviele Glückskekse verteilt wurden. Es ist in keinem Verband die Aufgabe der Aktiven sich in einem Rundum-Sorglos-Paket zu wähnen. Sonst steht nämlich zu befürchten, dass die Öffentlichkeit die Freischreiber genau so wahrnimmt, wie Sie es schreiben: als eine Vereinigung, die ab und zu ihre zugespitzte Meinung kundtut, hinter der ein Wunsch steckt. Mehr nicht.


  1. [1] Nein, diese Anführungszeichen sollen nicht die Aktivität ironisieren, sondern zeigen, dass man sich so oft selbst betitelt.

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