Kalimera, ich möchte mit Ihnen über Susan sprechen.

(Und dann stelle ich das alles ins Netz. Hätten Sie kurz Zeit?)



Michalis Pantelouris möchte einen alten ungelösten Kriminalfall in Griechenland recherchieren. Schön. Und er möchte alle Informationen, soweit er damit keine Persönlichkeitsrechte verletzt, ungefiltert veröffentlichen. Schon interessanter. Nun bricht ein Welle von Empörung über ihn herein; Stefan Niggemeier versucht nachzuvollziehen und sieht ein Experiment zwischen “Sensationslust” und einem Versuch, “Journalismus radikal anders zu verstehen und zu praktizieren.” Und hier beginnt die tatsächlich interessante weil sachlich interessierte Diskussion zur Methode, glücklicherweise meist ab von der Geschichte selbst.

Mein erster Kommentar bei Stefan Niggemeier zum Beitrag “Lifestylejournalismus!” vom 18. Juli 2010:

Ich brauche keine Reportage über mysteriöse Ereignisse rund um deutsche Privatleute in Griechenland. Richtig. Aber darum geht es doch gar nicht.

Was ich brauche (und mir oft vergebens wünsche) ist die Offenheit der Journalisten, dem Leser* zu zeigen, wie sie zu dem gekommen sind, was der Leser nun vorliegen hat. Und noch wichtiger: was sie weggelassen haben und warum.

Die meisten Journalisten, die ich angeschrieben habe / bei denen ich mich beschwert habe, reagierten mit Unverständnis und manche haben sich sogar dazu verstiegen, man hätte jene Info weglassen müssen, damit der Beitrag der Dramaturgie folgen könne. Ich möchte nicht, dass ich nur die Infos erhalte, die dem Journalisten gerade in seine Dramaturgie passen! Ich will die richtige Dramaturgie, nämlich die der Ereignisse und nicht eine, die sich jemand ausgedacht hat! (Wer das will, sollte lieber einen Roman schreiben als Artikel.)

(Fast) das gesamte Material freizugeben ist bestimmt nicht die Lösung und auf Dauer mit den heutigen Mitteln wohl auch weder für Sender noch Empfänger praktikabel, aber es ist ein anständiger Versuch und ich bin gespannt, wie auch der Journalist selbst am Ende den Einfluss auf seine Arbeit einschätzt. Überleben werden in diesem Beruf in Zukunft hoffentlich nur noch jene, die sich nicht scheuen ihre Arbeitsweise offenzulegen und mit dem Leser zu kommunizieren.

*man denke: Leser/Zuschauer/Zuhörer etc.

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