Mund weit auf und dann sagen Sie mir einmal wo es weh tut!

Mein Kommentar zu “Die Medikamententafel: Medizinische Grundversorgung von Armen in Gefahr” aus dem WDR-Magazin “Monitor”:

Ich möchte die Redaktion von Monitor dafür loben, dass sie es in ca. einem Jahr geschafft hat, wieder in die Bereiche vorzudringen, die, um es mit G. Schramm zu sagen, von brennender Relevanz sind. Dort gehört sie hin.

Zum Thema: Bitte nehmen Sie alle die folgenden Worte ernst und unternehmen Sie etwas, wenn Sie nicht möchten, dass es in Deutschland bald auch so kommt w.u. beschrieben.

Ich habe seit kurzem die Möglichkeit die Situation von außen zu betrachten und erlaube mir deshalb, die Krankenversorgung in Deutschland über die Grenzen zu vergleichen. Krankenversorgung deshalb, da zu einem Gesundheitssystem, wie wir es einst in Deutschland hatten, mehr gehört: Persönliche Beziehung zwischen Arzt und Patient, regelmäßige Kontakte durch breite Vorsorge, ganzheitliche Empfehlungen auch außerhalb des Abrechenbaren und Verschreibungspflichtigen, etc. pp. Da von alledem in Deutschland für GKV-Patienten keine Rede mehr sein kann, spricht man wohl besser von Krankenversorgung.

In Mittelamerika, wo ich jetzt lebe, war dies noch nie anders, es gibt hier ein tief etabliertes Dreiklassensystem von Privatversicherten, öffentlich Versicherten und Nichtversicherten. Nur die erste Gruppe erfährt eine wirkliche Gesundheitssorge, die anderen beiden müssen sich mit akuter Krankenversorgung abfinden, in abgestufter Form.

Da ich noch immer auf Fertigstellung meiner Arbeitserlaubnis warte, kann ich mich weder öffentlich versichern noch nimmt mich eine private Versicherung ohne festes Einkommen, dass auch hier generiert wird, auf. Also gehöre ich momentan zu der letzten Gruppe und hoffe sehr, dass ich nicht ernsthaft erkranke. Kleine Probleme, die man bei so einem Klimawechsel hat (Grippe, Magen-Darm), konnte ich bisher glücklicherweise mit Medikamenten lösen, die ich entweder mitgebracht hatte oder die hier den gleichen Namen tragen. Darunter sind auch Dinge, die in Deutschland (noch) verschreibungspflichtig sind; hier würde das, wie z.B. bei den im Beitrag erwähnten Durchfallmitteln, wohl die Unerreichbarkeit für Hunderttausende bedeuten.

Würde ich ernsthaft krank oder verletzt, könnte ich nur auf die Krankenhäuser zurückgreifen, die jeden akzeptieren. Dort gibt es keine Spezialzentren wie in den “normalen” öffentlichen, erst recht keine Rundumbetreuung wie in den Privatkliniken. Sie dürfen sich das jetzt nicht wie den Unterschied in Deutschland vorstellen, hier fehlt es an Grundsätzlichem, das bei Ihnen jedes Kreiskrankenhaus vorhält.

Beispiel? Eine Freundin meiner Frau (öffentlich versichert) hatte vor wenigen Tagen eine Frühgeburt, mutmaßlich verursacht durch falsches und zu spätes Eingreifen und möglicherweise falsche Medikamente.

Wenn Sie nicht möchten, dass es in Deutschland soweit kommt, wenn Sie stattdessen in der BRD wieder zu einem Gesundheitssystem zurückmöchten, das seinen Namen verdient, müssen Sie dagegen angehen – über alle sozialen Grenzen hinweg.

Lassen Sie sich nicht entmutigen oder entzweien, spalten Sie sich nicht in Leistungsempfänger und -träger, In- und Ausländer, Betroffene und Zuschauer, Links- oder Rechtswähler!

Tun Sie alles dafür, dass es nicht so kommt wie hier! Es fehlt nicht am Geld, es fehlt an Sozialwesen. Und es tut ganz schön weh, wenn man von außen zugucken muss, wie alles das zerstört wird, für das wir solange außerhalb Europas bewundert wurden und immer noch werden. Und es klingt scheinheilig und albern, wenn Politiker währenddessen von Werten plappern.

Ich habe noch keinen Lateinamerikaner – weder hier noch in Deutschland – getroffen, der uns dafür bewunderte, dass wir mehr Kirchtürme als Minarette haben. Nein, Bewunderung klang immer nur mit, wenn sie darüber redeten, wie wir unseren Fortschritt und Intellekt dafür eingesetzt haben, Verbesserungen für alle zu schaffen. Nicht mit Geld, mit dem Kopf.

Geld ist genug da, nur haben und verteilen es die falschen Köpfe.

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