Piétés fours – zuviel macht fett

Liebes extra3-Team,

ich habe sehr lange überlegt, ob ich zu dieser Kleinigkeit überhaupt etwas schreiben sollte. Ich habe es für gut zwei Wochen[1] zu ignorieren versucht und dann doch festgestellt, dass es keine Kleinigkeit ist. Es ist keine Kleinigkeit, weil es nicht um mein fragliches Gekritzel geht, sondern um Ihre Antwort. Wo die Satire aufhört[2], bestimmt allein der Satiriker. Allein, wer Satiriker sein darf, bestimmt – scheint’s – extra3. Schließlich ist es ja “die einzige Satiresendung”.

Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Ich erwarte für den müden Witz, den ich losgelassen habe, keine Ingberter Pfanne, noch nicht mal einen müden Lacher, deshalb schrieb ich auch gleich, ich müsse mich dafür schämen:

Dieser Kommentar von mir vom 15.01.2011 wurde auf dem extra3-Blog nicht freigegeben: "Bei der BVG heißt das dann auch: L**** on the Weich makes you wait until late. Jetzt geh ich mich fünf Minuten schämen, dass ich den einfach nicht bei mir behalten konnte. Zurückbleibenbitte."

Nur: Damit war allein die miese Qualität meines Witzes gemeint, nicht aber die Tatsache, dass ich über ein solches Thema überhaupt Witze mache. Ich fände es keineswegs abwegig meinen Kommentar nicht freizugeben, hätte ich ihn irgendwoanders abgelassen als genau da. Ich würde ihn vielleicht noch nicht einmal selbst wieder schreiben. Nein, bestimmt nicht – er war einfach zu schlecht. Und Sie möchten sich bitte auch nicht aufgefordert fühlen den Kommentar doch freizuschalten; es ist Ihre Seite, es sind Ihre Regeln.

Das einzige, was ich erreichen möchte, ist, dass Sie darüber nachdenken, ob Ihre Begründung für eine Satiresendung Ihres Formats angemessen war. Sie möchten solche Kommentare wirklich nur “aus Pietätsgründen” nicht veröffentlichen?

Die Freiheit, einen Witz im extra 3 Blog machen zu dürfen, steht unserer Meinung nach gegen die Rücksichtnahme auf Menschen, die jemanden auf diese Weise verloren haben.

Das scheint dann wohl ein reines Dimensionsproblem zu sein. Über brillentragende Diktatoren, die ihr Volk verhungern lassen während sie an Raketen basteln, Gevatter Tod, der den letzten Motivationsschub(ser) zum Sprung von der Brücke gibt, “sehnige Gefreite” im Alleswirdgutti-Ausflugsziel Afghanistan oder halt über einen “Knacks in der Achs”, der kein “Schock für die Lok” ist (aus dem Videobeitrag, der in ebendiesem Blogbeitrag angekündigt wurde wird), darf man sich bei extra3 doch anscheinend lustig machen. Haben Sie auch vorher schön alle Angehörigen von verhungerten nordkoreanischen Kindern, Selbsttötern[3], deutschen Gefallenen und Unfalltoten gefragt? Nicht? Finden Sie Ihre Begründung dann nicht ein bisschen seltsam? Am Ende ne Spur heuchlerich?

Sie schreiben auch noch, Sie hofften auf mein Verständnis. Spes saepe fallit, weiß der hanseatische Bildungsbürger. Nein, ich hoffe Sie haben sich selbst missverstanden und machen auch weiterhin hundertmal bessere Witze Satire als ich – über Tote und Lebendige[4], Glückliche und Unglückliche, Angehörige und Ungehörige. Nur dafür habe ich vollstes Verständnis.

Denn sweethearts and standards, if double, mean trouble. Oder so.

Ihr VonFernSeher


  1. [1] Vor dem 20.01. kannte ich den Grund, warum der Kommentar nicht freigeschaltet wurde, noch nicht.
  2. [2] und das habe auch ich schon zum Besten gegeben
  3. [3] aber nur die auf der Brücke, nicht die auf den Schienen
  4. [4] Das “Untote” schöner gewesen wäre, ist mir auch erst später aufgefallen

Kommentare zu "Piétés fours – zuviel macht fett"

  1. “Leich on the Weich makes you wait until late”

    der war gut. NDR? Was soll das bedeuten?

  2. Ich verstehe gerade die Frage nicht.

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