Schwarzgelb plant Cäsium-Flugverbotszone

Nichtleserbriefe 10/2011

an…
…Andreas Jung (CDU)
…Dr. Angela Merkel
…den Problemschüler Guido
…die lieben Evangelen
…den Jecken Schäuble
…Walther Stützle
…Christoph Faisst
…Ines Pohl für die taz
…Kai Biermann (Zeit)
…Norbert “Fips” Röttgen
…Ihro Gnaden Uwe den Letzten
…Philip Crowley
…alle, wirklich alle, versprochen


Andreas “Vernel” Jung (CDU), Sie Frühlingsbrise, Sie!

Unter “Meine Ziele” auf Ihrer flockigen Webseite erfrischend-jung.de darf der Wähler lesen, dass Sie frecher Wirbelwind nicht nur gegen die Privatisierung der Luftsicherung und die Gesundheitsreform gestimmt haben, sondern sogar in Ihrer Partei eine kritische Position zur Kernenergie durchgesetzt haben. Wahnsinn! Die Position ist so extrem erfrischend jung, dass Ihre Partei selbst noch nichts davon weiß. Noch!

So frisch, so weich, ein Traum!

VonFernSeher


Apropos Position und Kernkraft und so, Frau Dr. Merkel,

Ihre Position im Atom-Schlachtschiff ist ja ganz klar der Ausguck:

Ich kann heute nicht erkennen, dass unsere Kernkraftwerke nicht sicher sind, sonst müsste ich ja mit meinem Amtseid sie sofort abschalten. Das wäre ja ganz fatal, wenn ich einfach erklären würde “Die sind nicht sicher”. Unsere Kernkraftwerke sind nach Maßgabe dessen, was wir wissen, sicher und dennoch müssen wir jetzt gucken: Was erfahren wir vom Japan, was sagt uns das und was müssen wir eventuell an Schlussfolgerungen daraus ziehen.

Da Sie über den “Mechanismus von Zerfallsreaktionen mit einfachem Bindungsbruch und Berechnung ihrer Geschwindigkeitskonstanten auf der Grundlage quantenchemischer und statistischer Methoden” promoviert haben, sollten Sie ja ansatzweise wissen, was es Ihnen sagt. Wenn Sie also nur eventuell Schlussfolgerungen ziehen wollen, muss es wohl die schlechte Sicht sein; bisschen wolkig Richtung Japan, hm?

Aber Sie machen das schon. Trotzdem, nur für den Fall, dass Sie von Ihrer Position wider Erwarten doch kein Land mehr sehen sollten, hätte ich da noch eine alte Seelenverkäuferregel: Wenn Sie im Ausguck nasse Füße bekommen, ist das Schiff gesunken. Für Zurückrudern wär’s dann halt ein bisschen spät. Aber Sie können doch schwimmen, oder? Wäre da echt…ähm…alternativlos.

Und nehmen Sie’s nicht allzu sehr zu Herzen, ich musste nur mal was Dampf ablassen. Sie wissen ja: Harte Schale, weicher Kern.

Ihr VonFernSeher


Geben Sie’s zu, Westerwelle, Sie Problemschüler,

Internationale Beziehungen als Wahlpflichtfach haben Sie doch nur genommen, weil das für den stellvertretenden Klassensprecher in der politischen Oberstufe nunmal so Tradition ist.[1] Und weil man in der Diplomatie anders als in Mathe für den Lösungsweg keine Punkte bekommt, wenn das Ergebnis nicht stimmt, haben Sie sich einfach vor der Abgabe gedrückt. Ihre Hausaufgaben im Herauslavieren haben Sie jedenfalls gemacht:

Weil, wenn man mit dem Militär in ein Land hineingeht, geht das schnell. Aber man kommt sehr langsam wieder raus. Man ist dann in einer sehr schwierigen Phase, wie wir im Irak ja gesehen haben – auch in Afghanistan – und wir wollen nicht, dass ein Krieg beginnt in Libyen, in dem wir selber Partei sind, sondern wir wollen natürlich auch, dass dieser Diktator aus dem Amt herauskommt, deswegen haben wir die Sanktionen auch beschlossen, aber wir müssen eben immer auch sehen, dass es sehr gefährlich ist, wenn wir uns in ein solches militärisches Engagement hineinbegeben, das muss sehr klug überlegt werden. Das geht nur, wenn die Vereinten Nationen auch entsprechend mandatieren und es geht übrigens im speziellen Falle auch nur, wenn die anderen Länder der Region, also die arabische Liga, dieses nicht nur unterstützten, sondern sich auch daran beteiligen; das ist bisher nicht erkennbar, sodass wir dann in der Gefahr sind, ausgerechnet auch noch dem Diktator Gaddafi Wasser auf seine Propagandamühlen zu geben.

Blöd nur, dass der Arabischstammkurs einfach beschlossen hat, Sie und die anderen sollten die Flieger, die Sie gebastelt haben, bitte selbst wieder einsammeln. Eine neue Ausrede musste her:

Es ist offen, wie eine Flugverbotszone, die eine militärische Intervention von außen darstellt, durchgesetzt werden soll ohne die territoriale Integrität und Souveränität Libyens zu verletzen, so wie es die arabische Liga ebenfalls fordert.

Und morgen? Hat der Hund die Luftwaffe gefressen?

Spricht sich für Ihre Versetzung aus:

VonFernSeher


Liebe Evangelen,

“7 Wochen ohne Ausreden” könnte lästig werden, denn

der Ehrliche ist immer der Dumme – diese Alltagsweisheit bringt es auf den Punkt: Wer nicht schummelt und trickst, sondern ehrlich zu Fehlern und Schwächen steht, zieht den Kürzeren.[…] Kaum ein Verursacher hebt die Hand, ruft: „Ich war’s“ und übernimmt die Verantwortung. Wär’ ja auch schön blöd, oder?

Seht ihr, und deshalb gibt es euch schon fast 500 Jahre und immer noch eine Milliarde Katholiken. Wär’n ja auch schön blöd, oder?

Verzichtet übrigens dieses Jahr auf Ihre Antwort:

VonFernSeher


Schläuble, Sie Sparmodell!

Kaum laufen im Fernsehen die jecken Umzüge, da kommen auch Sie ins Rollen. Als Finanzmajor der schwarzgelben Garde halten Sie Steuersenkungen noch in dieser Session für “in Grenzen” möglich.

Schließlich wollen wir die Weichen stellen, um mittelfristig unser Steuersystem gerechter und wettbewerbsfähiger zu gestalten.

Tusch! Und weil Ihnen am Steuerzug besonders die prächtigen Wagen gefallen, muss das Fußvolk noch etwas wettbewerbsfähiger werden. Damit das mit den Steuersenkungen rechtzeitig zur Wahl nämlich klappt, haben Sie vorsorglich schon mal etwas zurückgelegt und kein Extrageld für den Sozialausgleich bei den Kassenzusatzbeiträgen eingestellt, denn bis zur Wahl reicht auch noch der Rest. Alles Einstellungssache halt, ne?

Verabschiedet Sie mit einem dreifach donnernden

Schäuble – Helau!
Ehrenwortgarde – Alaaf!
Sozialstaat – Ahoi!

VonFernSeher


Sie, Walther Stützle (Stiftung Wissenschaft und Politik),

haben mal eben fürs Fernsehen die Lage erläutert:

Wir haben es mit einer sehr verworrenen, unübersichtlichen politischen Situation in Libyen zu tun. Alle Strukturen sind aufgelöst, es ist unklar, wer eigentlich die Macht hat, es ist unklar, wie politische Entscheidungen fallen und in eine solche unklare Situation von außen hineinzuhandeln, gar mit Waffen zu handeln, scheint doch reichlich riskant.

Puh! In so eine unklare Situation sollte man wohl wirklich nicht von außen hineinhandeln, aber zum Glück sind die deutschen Waffen ja schon da!

Erwartet täglich die Quittung:

Ihr VonFernSeher


Horrido, Christoph Faisst (Südwestpresse),

da haben Sie aber einen wahren Parforceritt hingelegt, als Sie dem Freiherrn zur Seite eilten. Von “Denunziation, Vorverurteilung und dem sozialen und berufliche Tod des Individuums” wollten Sie bewahren und stießen volle Pulle ins Horn:

Es gehört zu den Prinzipien unserer Gesellschaft, dass der Staat auch jenen ein faires Verfahren garantiert, die seine Regeln brechen. Diesen Garantien spricht es Hohn, wenn jeder Privatmann unter der virtuellen Henkerskapuze jeden richten darf, der gerade zum Abschuss freigegeben ist.

Der Freiherr als Freiwild? Hetzjagd im eigenen Blätterwald? Das könnte diesen Plagiatswilderern so passen! Allein der Rücktritt wäre ja zu verkraften gewesen.

Doch bisher standen die Betroffenen wenigen gegenüber, die sich die Mühe machen mussten, Fakten zu beschaffen, zu sichten, zu bewerten und nach den Grundsätzen ihres Berufs zu veröffentlichen. Dieser Filter ist nun, und das macht den Fall Guttenberg anders, weggefallen. Denn der Schwarm, der auf einen Einzelnen einhackt, ist allemal stärker – erst recht, wenn die Anonymität des Internet alle Hemmungen fallen lässt.

Stand der Betroffene doch jetzt vielen gegenüber, die sich die Mühe gar nicht hätten machen müssen, aber trotzdem gemacht haben. Soviel freiwilliger Einsatz scheint ja wirklich nicht zu Ihren beruflichen Grundsätzen zu gehören. Fühlen Sie sich etwa vom Aussterben bedroht? Von dem hemmungslosen Internet? Angst, auf der Strecke zu bleiben?

Halali!

VonFernSeher


Es war, Ines Pohl (taz), wie immer,

nämlich ganz anders, als es vielleicht aussehen mag. Die taz hat gar nicht einfach nur so des Geldes wegen die Werbeanzeige der Bild gedruckt, in der die Bild einen Brief zeigt, in dem Judith Holofernes von Wir sind Helden der Bild schreibt, sie wolle auf keinen Fall für die Bild werben. Das geschah nämlich nur aus Ordentlichkeit:

In der taz ist wie in jedem anderen ordentlichen Zeitungshaus eine strikte Trennung zwischen Redaktion und Anzeigen. Die Redaktion verfügt gar nicht über die Hoheit, zu entscheiden, ob eine Anzeige erscheint oder nicht, wenn die Anzeige – das ist im Redaktionsstatut der taz festgeschrieben – nicht rassistisch, sexistisch oder kriegsverherrlichend ist.

Ganz ordentlich und strikt getrennt, muss man sagen. Wenn die Anzeige rassistisch, sexistisch oder kriegsverherrlichend ist, ist das nicht in Ordnung. Wenn das Produkt in der Anzeige rassistisch, sexistisch oder kriegsverherrlichend ist, ist das in Ordnung. Und außerdem sollte sich Frau Holofernes wohl am Besten mal schleunigst bei Ihnen und der Bild bedanken:

Der Brief von Holofernes war ja in der Öffentlichkeit. Es ist nicht so, dass da urheberrechtliche Grenzen meiner Meinung nach überschritten wurden. Sie hat den selber ins Internet gestellt, er wurde zehntausenfach geklickt, es ist ein Supertext. Ich kann natürlich auch sagen, sie hat dadurch noch eine ganz andere Aufmerksamkeit gekriegt, dass die BILD-Zeitung dafür gezahlt hat, dass der ganze Text auf einer ganzen Seite abgedruckt wird.

Recht haben Sie. So manch einer hätte sich längst mal bei den eigentlich Verantwortlichen für seinen Erfolg bedanken müssen. Günther Wallraff bei der deutschen Industrie, Michael Moore bei den Amokläufern, Bob Dylan bei den Kriegstreibern und Jesus bei Pilatus! Und ich. Ich muss mich endlich mal bei den ganzen 5-Watt-Leuchten in Medien, Politik und Schickeria bedanken, die mir von selbst den Blog füllen, ohne auch nur einen Cent dafür zu verlangen. Und weil man ja irgendwo anfangen muss:

Dankeschön!

VonFernSeher


Moment! Hallo, Herr Biermann (Zeit)!

Jetzt rennen Sie doch nicht so! Atemberaubend, wie Sie sich im Netz bewegen. Nur der Datenschutz kommt bei den ganzen neuen 2.0-Dingern manchmal nicht ganz mit, denn:

Es geht ihnen nicht um Überwachung, sondern um die Fortsetzung der Idee, dass das, was wir tun, auch für andere von Nutzen sein kann. Immerhin teilen wir unserer Umwelt aus genau diesem Grund mittels Delicious schon unsere Bookmarks mit, via Twitter jeden Gedanken und Link, dank Foursquare jeden Aufenthaltsort und mithilfe von Facebook alle diese Dinge zusammen.

Ach so, na dann: mein Fehler. Sie wollen gar nicht in meine Richtung. Dann will ich Sie auch nicht länger aufhalten.

Nichts für ungut,

Ihr VonFernSeher


Ganz kurz, Herr Röttgen,

die Atomkraft nach Fukushima “ein Auslaufmodell”?

Brüller!

VonFernSeher


Verzeihung! Exzellenz Minister Schünemann!

Wir müssen uns bei Euro Durchlaucht entschuldigen. Da habt Ihr, Sire, mit stoischer Gelassenheit, wie sie nur ein Niedersachse beweisen kann, über ein Jahr ohne Vorratsdatenspeicherung ertragen, habt all den Unfug von bedenkentragenden Verfassungsrichtern, zaudernden Koalitionspartnern und nicht zuletzt uns sturen Bürgern hingenommen, aber genug ist genug.

Unsere Geduld ist mittlerweile wirklich am Ende.

Das glauben wir Euch aufs Wort. Bitte übermitteln Euer Gnaden unser Bedauern auch den anderen hochwohlgeborenen Innenministern, dem BND und unseren amerikanischen Freunden!

Es darf sich untertänigst empfehlen

Euer VonFernSeher


Applaus, Mr. Crowley, Applaus!

Ganz schön mutig ihre Offenheit! Also auch das von wegen menschenunwürdige Haftbedingungen anprangern. Vor allem aber die Begründung:

The exercise of power in today’s challenging times and relentless media environment must be prudent and consistent with our laws and values.

Die Ausübung der Macht muss in den heutigen schwierigen Zeiten und dem unnachgiebigen medialen Umfeld umsichtig und getreu unseren Gesetzen und Werten geschehen.

Hervorhebung und Übersetzung von mir.

Schlimm, der Zeiten Zwang und das unnachgiebige Umfeld. Wenn man nur könnte, wie man wollte…

Andererseits: Sie können mich mal. Aber nur wenn Sie wollen.

Unnachgiebig,

VonFernSeher


Meine Damen und Herren, liebe androgyne Wesen!

Da hat die Gleichberechtigung uns ja was Feines eingebrockt: Dank Unisex-Versicherungstarifen dürfen bald alle gleich mehr bezahlen, ganz ohne geschlechtliche Diskriminierung. Und der Europäische Gerichtshof wird nicht eher ruhen, als dass die Versicherungsmathematiker jegliche Diskrimierung aus Ihren antiemanzipatorischen Berechnungen getilgt haben!

Ich kenne mindestens einen, der sich aber ehrlich gar nicht freut auf die Beiträge für die geschlechts-, alters-, wohnort-, klima-, vermögens-, kilometer-, schadstoff-, steuerklassen-, berufs-, gefährdungs-, einkommens- und natürlich schadensunabhängige Gesamtrisikoversicherung.

Versichert euch:

Euer VonFernSeher


  1. [1]Wo Sie sich doch viel lieber mit Wirtschaftsmathematik (-12%MwSt * 1 Lobbyverband = 106€ = ½ Miete(Parteivorsitz)) beschäftigen.

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