Studie zeigt: Weniger Frauen unter den Fachidioten

Bevor einer fragt: Nein, ich kenne keine solche Studie. Das Thema träfe sie aber mindestens so gut wie der “Monitor”-Beitrag.

Mein Kommentar zum Beitrag “Spitzenjobs in der Wirtschaft – Frauen müssen draußen bleiben” aus dem WDR-Magazin “Monitor”:

Bei meinem letzten Beitrag habe ich noch die wiedererstandene Qualität von Monitor gelobt, dank dieses Beitrages ebbt meine Begeisterung leider wieder deutlich ab.

(Ich erwarte gar nicht, dass jeder meinen ganzen Text liest, es gab einfach zu viele Fehler in diesem Beitrag.)

Ich möchte mich gar nicht über die fragwürdige Anmoderation oder das dargestellte Frauenbild äußern, sondern bemängele die fehlende journalistische Arbeit hinter diesem Beitrag. Obwohl dieser Beitrag eindeutig Stellung bezieht, bleiben zentrale Widersprüche in der Erzählung unaufgelöst oder wurden vielleicht gar nicht von den Machern wahrgenommen.

Da beklagt sich eine erfolgreiche Unternehmerin, die so gar nichts alternatives an sich hat, über Machtkonservierung und die Angst der Männer, Privilegien verlieren zu können; kurz darauf wird dieser Gedanke dann aber von dem dargestellten Fakt konterkariert, Frauen seien die besseren Hedgefondmanager, also eines Biotops, das wohl auch schwerlich als ökonomisch alternativ darzustellen ist.

Als nächstes folgt eine definitiv falsche Bauchbinde, die aber nicht korrigiert wird. Kann man ja mal in einer Abmoderation machen.

Dass durch mangelnde Kinderbetreuung und Männerseilschaften nur Frauen benachteiligt würden, ist auch ganz eindeutig nur mit einem sehr verdrehten Weltbild zu verstehen. Mangelnde Kinderbetreuung gibt es schon an den Hochschulen, eine Benachteiligung von Frauen besteht hier aber nicht, sondern generell eine Benachteiligung von Familien. Diese beiden Faktoren wirken sich auf jüngere, nicht kinderlose und breiter gebildete Menschen negativ aus und bevorzugen ältere kinderlose schnellstudierte Fachidioten. Dass da in Deutschland eindeutig mehr Männer dabei sind: geschenkt.

Genau letzteres lässt sich auch nachweisen; relativ mehr weibliche Vorstandsmitglieder finden sich in solchen Unternehmen, die diese Faktoren vermeiden, also auch nur zur Gesamtgruppe, in der gleichen Alters- und Bildungsgruppe bleibt der Anteil gleich, übrigens auf deutlich höherem Niveau. Über die eigentlichen Hintergründe, die in Spanien und Deutschland und Norwegen drei völlig verschiedene sind, hüllt sich der Beitrag in Schweigen.

In Norwegen übrigens lag der Frauenanteil in den Vorständen schon vor der Quote irgendwo zwischen 15-20%, Vorstände sind dort auch im Schnitt jünger. Dass kein Unternehmen geschlossen werden musste, wie im Film gesagt, ist faktisch richtig und dennoch nicht wahr. Manche, vor allem kleinere, gingen von der Börse (und damit aus der Reichweite des Gesetzes), andere erfüllten die Quote nicht, wurden aber nicht verfolgt.

Schön auch das beliebte halbseidene Stilmittel, Menschen vor Türen oder in Korridoren aufzulauern und aus einer Abfuhr dort dann auf feigen Rückzug zu schließen. Ich bin bestimmt kein Fan der Ministerin, aber auch ich würde kaum mit Leuten sprechen wollen, an denen ich mich mit dem Gesicht an der Wand vorbeiquetschen muss. Eine Unart. Fast selbstironisch wirkt es dann in der Abmoderation, der Ministerin “Kuscheln” vorzuwerfen.

Ich bin übrigens überhaupt kein Experte für Arbeitsrecht oder Gleichstellung und die Fakten habe ich alle innerhalb von weniger als einer Stunde (im Ausland sitzend nur mit dem Computer) aus jeweils mehreren seriösen und unabhängigen Quellen recherchiert. Das hätte so ein Monitorteam bestimmt auch geschafft. Wenn man denn will.

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